Projektbeschreibung

BMBF-Projekt: „Aktuelle Ungleichzeitigkeiten von Geschlechterkonzepten im Bildungsbereich – eine Gefahr für die Chancengleichheit?“

Der Kongress „Gender – Schule – Chancengleichheit?!“ bildete den Abschluss des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „Aktuelle Ungleichzeitigkeiten von Geschlechterkonzepten im Bildungsbereich – eine Gefahr für die Chancengleichheit?“, das von Oktober 2013 bis September 2014 am Institut für Erziehungswissenschaft (Prof. Dr. Barbara Rendtorff) und dem Zentrum für Geschlechterstudien/Gender Studies (Dr. Claudia Mahs) an der Universität Paderborn durchgeführt wurde.

 

Ausgangspunkt des Projektes war die Beobachtung, dass in der letzten Zeit zwei gegenläufige, einander widersprechende Tendenzen im Umgang mit Geschlecht  im Bildungsbereich sichtbar werden. Während auf der einen Seite etwa in Form von Girls‘- und Boys‘ Days Aktivitäten zur Annäherung von Jungen und Mädchen und zum Ausgleich geschlechtstypischer Unterschiede unternommen werden, sind auf der anderen Seite aber auch vermehrt solche Angebote zu finden, die gerade die Verschiedenheit von Mädchen und Jungen betonen. Nicht nur finden sich derzeit viele Produkte, die speziell für Jungen oder für Mädchen ausgelegt sind, von Büchern und Spielzeug bis zum Bastelkleber, sondern es tauchen vermehrt auch geschlechterbetonende Schul- und Lernmaterialien auf. Gegen den seit Jahren etablierten Konsens in erziehungswissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Praxis, traditionelle Geschlechterunterschiede zu entkräften und abzumildern, lässt sich also gleichzeitig eine Tendenz zur stärkeren Betonung von Geschlechterunterschieden feststellen.

 

Insbesondere in den Medien greift diese zweite Tendenz stark um sich und es finden sich viele zustimmende Darstellungen. In der pädagogischen und populärwissenschaftlichen  Literatur wird zunehmend argumentiert, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern von Natur aus so groß seien, dass man auf solche vermeintlichen Besonderheiten mit unterschiedlichen Formen von Unterricht und Lernangeboten reagieren müsse, um beide Geschlechtergruppen optimal zu fördern. Auch im Unterricht, in der Nachhilfe und anderen schulnahen Bereichen lassen sich zunehmend solche Bezugnahmen wiederfinden, die Mädchen und Jungen auf traditionelle Geschlechterstereotype hin orientieren.

 

Diese Entwicklung ist jedoch mit Besorgnis zu sehen, denn durch diese Form der Adressierung wird ein herausgehobenes Persönlichkeitsmerkmal überbetont und verallgemeinert, wodurch die Kinder in ihrem Entwicklungsspielraum erheblich eingeschränkt werden. Vereindeutigende pädagogische Strategien stehen zudem in Widerspruch zum Bildungsauftrag der Schule, Chancengleichheit herzustellen.

 

Ziel des Projektes war daher eine differenzierte Analyse der aktuellen Ungleichzeitigkeiten von Geschlechterkonzepten im Bildungsbereich. Unter Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen wurden zunächst Ursachen und Hintergründe dieser Sachlage in den Blick genommen. Die im Rahmen zweier Workshops mit Teilnehmer/innen aus Wissenschaft und Praxis erarbeiteten Ergebnisse wurden abschließend im Rahmen des Kongresses mit dem pädagogischen Fachpublikum diskutiert, das von diesen Entwicklungen schließlich besonders betroffen ist. Der Kongress umfasste daher sowohl Fachvorträge als auch Workshops, in denen unterschiedliche Fragestellungen und Aspekte erarbeitet und erörtert wurden. Die Ergebnisse wurden in einem Kongressband veröffentlicht (siehe Menüpunkt "Publikation zum Projekt").