Publikation zum Projekt

Betonen – Ignorieren – Gegensteuern? Zum pädagogischen Umgang mit Geschlechtstypiken.

Hrsg. von Mahs, Claudia/Rendtorff, Barbara/Warmuth, Anne-Dorothee. Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2015.

 

202 Seiten, ISBN: 978-3-7799-3259-8, Weinheim und Basel, Beltz Juventa

 

Der Sammelband vermittelt einen Beitrag zum Themenfeld und fasst die wesentlichen Projektinhalte und Diskussionspunkte zusammen.

 

Den Hintergrund des Buches bildete die Beobachtung, dass momentan gleichzeitig offensiv geschlechterbetonende wie auch Geschlechterstereotypen widersprechende und ausgleichende Maßnahmen im Kontext von Schule und Pädagogik zu finden sind – und eine zunehmende Vielfalt von geschlechterbetonenden Marktangeboten (wie POM BÄR „for Boys“ und „for Girls“, geschlechtertrennende Buchreihen von Verlagen wie S. Fischer, Badezutaten von Prinzessin Lillifee bzw. Capt`n Sharky etc.). Auch wenn dahinter oftmals die Annahme steht, die Betonung von Geschlechterstereotypen sei eine zeitgemäße Antwort auf gegebene Besonderheiten von Kindern und Jugendlichen, werden jene stattdessen auf vermeintliche geschlechtstypische Interessen und Eigenschaften festgelegt.

 

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes „Aktuelle Ungleichzeitigkeiten von Geschlechterkonzepten im Bildungsbereich – eine Gefahr für die Chancengleichheit?“ sind Wissenschaftler/innen* und pädagogische Fachkräfte aus der Praxis im Rahmen von zwei Workshops zusammengekommen, um diese aktuellen Auffälligkeiten zu diskutieren. Dabei ging es u. a. um die Frage, ob diese Widersprüche auf eine Rückkehr tradierter Geschlechterbilder oder auf eine historisch neue Qualität, Geschlechterverhältnisse zu denken, hindeuten und wie sie im Zusammenhang zu sehen sind mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Überlegungen beider Workshops wurden in den gemeinsamen Kongress Titel „Gender – Schule – Chancengleichheit?!“ überführt, der am 5. Juni 2014 in Paderborn als Fortbildung für Lehrer_innen und pädagogische Fachkräfte angeboten wurde.

Das Buch fasst die Projektarbeit zusammen und stellt einen Beitrag zum Verständnis dieser widersprüchlichen Tendenzen dar. Mit je unterschiedlichem disziplinärem Fokus wird dabei gefragt, wie diese Tendenzen im pädagogischen Alltag beantwortet werden können und sollten.

 

Nach einem einleitenden Beitrag von Barbara Rendtorff befassen sich in einem ersten Thementeil Cornelia Koppetsch, Friederike Kuster, Birgit Riegraf und Erich Lehner aus einer eher theoretischen Perspektive u. a. anhand der Arbeitsteilung in Erwerbsarbeit und Familie und der Verteilung von sozialen Aufgaben wie der Verantwortung für andere Menschen mit „Widersprüchen in gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen“. Michael Meuser, Jürgen Martschukat, Cornelia Helfferich und Sabine Hark widmen sich in einem zweiten Themenblock dem „Wandel der Geschlechterkonzepte“ – und dies mit besonderem Fokus auf Männlichkeitsdiskurse sowie eine queere Perspektive. Der letzte Thementeil zeigt „Widersprüche in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen“ auf. Christine Thon, Gisela Steins und Ilke Glockentöger machen in ihren Beiträgen deutlich, dass eine schlichte Entgegensetzung, wie sie derzeit in den Medien häufig geschieht – bevorteilte Mädchen vs. benachteiligte Jungen – zu kurz greift und die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen sowie Weiblichkeits- und Männlichkeitsanforderungen viel widersprüchlicher sind. Hier wird deutlich, dass eine „Vereindeutigung von Unterschieden“, wie sie derzeit massiv zu beobachten ist, nicht nur Jungen und Mädchen in ihrer Entwicklung massiv einschränkt und normiert, sondern auch diskriminierend für all diejenigen ist, die sich in der Gegenüberstellung von weiblich und männlich nicht wiederfinden.